Spezialisten für Smart Homes – die ersten Gebäudeinformatiker starten

Finger auf den Sensor, die Türe öffnet sich, das Licht geht an, Musik ertönt aus versteckten Boxen, die Storen werden gekippt – so sehen «Smart Homes» schon heute aus. Mit diesem Zusammenspiel der verschiedenen Geräte wird sich Fabian Baumeler aus Schenkon bald intensiv befassen. Der 15-Jährige beginnt am Montag seine Lehre als Gebäudeinformatiker beim Büroner Unternehmen hbTec AG. Damit gehört er zur ersten Generation, denn schweizweit ist die Ausbildung erst seit diesem Schuljahr möglich.

Sein Ausbildner Adrian Baumeler erklärt im Surseer Showroom der hbTec AG, was der neue Beruf des Gebäudeinformatikers beinhaltet. Denn beim «Smart Home» gehe es nicht nur darum, einen LED-Streifen unter dem Sofa zu montieren und dessen Farbe über das Smartphone zu steuern. Der Ausbildner sagt: «Viele verstehen unter dem Smart Home technische Spielereien. Doch wir sind bestrebt, ganzheitliche und nachhaltige Lösungen zu finden.»

Die Gebäudeinformatiker kümmern sich beispielsweise um das Zusammenspiel von Heizung, Lüftung, Licht, Storen, Alarmanlage, Türautomatik und Musik. Dabei führen Gebäudeinformatiker Gespräche mit Kunden oder Architekten, entwerfen Pläne, programmieren die Vernetzung der Geräte und nehmen sie schlussendlich in Betrieb. Ein Projekt könne somit über zwei Jahre in Anspruch nehmen, sagt Adrian Baumeler. Gebäudeinformatiker vernetzen verschiedene Geräte, um ihren Kunden Komfort zu bieten.

Auch Musikanlagen sind ein Teil des Berufsbilds.

Spezialisten sind gefragt

Auch wenn erst jetzt mit einer Ausbildung begonnen werden kann, ist das Berufsbild des Gebäudeinformatikers nicht neu. Adrian Baumeler sagt: «In unserem Unternehmen waren wir bislang alle Gebäudeinformatiker, nur hatten wir noch keine eigene Berufsbezeichnung. Zu uns kamen ausgebildete Elektroinstallateure, die wir dann für unseren Bereich schulten.»

Auch er selber ging diesen Weg. Dass nun eine Lehre angeboten wird, ist für den 33-jährigen Baumeler ein wichtiger Schritt. So habe man für die Ausbildung mehr Zeit und müsse nicht gleichzeitig eine ausgebildete Arbeitskraft entlöhnen. Ausserdem wachse die Branche stark, sodass die Lehrabgänger gefragte Berufsleute sein werden, prophezeit der frischgebackene Ausbildner. «Um das ganze Arbeitsfeld mit all den Schnittstellen zu anderen Berufen abzudecken, braucht es Spezialisten», sagt er.

Affinität zu technischen Geräten ist Voraussetzung

Die guten Zukunftsaussichten sind auch Fabian Baumeler bewusst. Auf die Lehre zum Gebäudeinformatiker sei er gestossen, weil sein ehemaliger Lehrer wusste, dass er sich für die Ausbildung zum Multimedia-Elektroniker interessierte und ihm als Alternative die hbTec AG vorschlug. Nach einer Schnupperlehre dort war für ihn klar, dass er sich zum Gebäudeinformatiker mit Fachrichtung Gebäudeautomation (siehe Box) ausbilden lassen möchte. Er begründet seine Wahl wie folgt: «Das Spektrum ist grösser. Und ein Teil davon ist ja der Multimedia-Elektroniker.»

«Bereits als Kleiner schaute ich meinem Vater bei der Installation einer Alarmanlage oder der Umrüstung einer Balkontür auf ein elektronisches Türschloss über die Schultern. Heute mache ich solche Sachen auch selber», sagt Fabian Baumeler. Für seinen Ausbildner ist es wichtig, dass die Lehrlinge bereits eine Affinität zu technischen Geräten im Wohnbereich mitbringen. 

«Nur gerne Youtube-Videos zu schauen und zu gamen, reicht für diesen Beruf nicht.»Ausserdem seien hier Menschen mit Köpfchen und Ausdauer gefragt. Dass die Lehre zum Gebäudeinformatiker schweizweit ein Novum ist, macht beiden wenig Sorgen. «Natürlich sind wir in der Schule die Versuchskaninchen», sagt zwar Fabian Baumeler. Doch besonders der Unterricht in einer Kleinklasse von sieben Personen biete auch Chancen. Ebenso seien nun alle Beteiligten daran, innovative Konzepte zu entwickeln, sagt Ausbildner Adrian Baumeler: «Die Gefahr, dass man aus Bequemlichkeit dasselbe wie in den letzten 30 Jahren vermittelt, besteht beim Gebäudeinformatiker schlichtweg nicht.»

Die neue Lehre als Gebäudeinformatiker

Als Ersatz für die auslaufende Ausbildung zum Telematiker starten im Schuljahr 2021/ 2022 das erste Mal Lernende als Gebäudeinformatiker. Im Kanton Luzern seien es in diesem Jahr rund sieben junge Männer, die mit der vierjährigen Ausbildung beginnen, erklärt Marco Kamm, Betrieblicher Ausbildungsberater der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung Luzern. Dazu kämen noch einige weitere aus der Zentralschweiz. Ihnen standen die Fachrichtungen «Kommunikation und Multimedia», «Gebäudeautomation» und «Planung» zur Auswahl.

Im Kanton Luzern sind es im Moment gut ein Dutzend Ausbildungsbetriebe. Diese reichen von Gross- bis zu Kleinunternehmen und seien für Private, aber auch Unternehmen tätig, so Kamm.

In den ersten beiden Lehrjahren sind es zwei Schultage, nachher noch einer. Luzerner Lernende können die Berufsfachschule im eigenen Kanton absolvieren. Die neue Ausbildung sei sehr schnell aufgegleist worden, weshalb noch nicht alle Details geklärt wurden, sagt Kamm. Dies sei aber durchaus legitim.

Quellen:
Bilder: Dominik Wunderli (Sursee, 28. Juli 2021)
Beitrag: Luzerner Zeitung, Salome Erni,2.8.2021

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